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2018 Schottland

Nach neun langen Monaten des Wartens - wie im richtigen Leben – ist er endlich da: Scotty, unser neues Reisegefährt. Wir haben uns unendlich viele Gedanken über Scottys Ausstattung gemacht: Was ist unbedingt notwendig, was ist uns wichtig und ein paar Annehmlichkeiten durften auch nicht fehlen. 2017 haben wir die Caravan Messe in Düsseldorf besucht und anschließend haben wir Stunden bzw. Wochen im Internet und in diversen Foren verbracht, um – hoffentlich – für uns das Optimum zu finden. Vielen Dank schon einmal an alle Foris, die uns mit ihren Ratschlägen und Tipps unterstützt haben!

Wir haben geschwitzt, ob Scotty rechtzeitig ausgeliefert wird, weil der erste Urlaub bereits geplant war: Die Fähre war gebucht, Tickets für das Royal Military Tattoo lagen bereit und die Reiseroute stand schon seit Wochen fest. Endlich! Eine Woche vor dem geplanten Urlaubsbeginn konnten wir Scotty bei unserem Händler abholen. Wir waren happy und freuten uns ungemein auf unsere erste Tour im eigenen Kastenwagen!

Warum Schottland?
Nun, wir waren vor genau 10 Jahren mit einem (geliehenen) Wohnmobil in Schottland und hatten uns schon damals in die wunderbare Landschaft verliebt. Im August dieses Jahres feierten wir unseren 10jährigen Hochzeitstag und unser Traum war schon immer einmal, das Royal Military Tattoo in Edinburgh zu besuchen – welches natürlich immer im August stattfindet. Was lag da näher, als diesen Traum in diesem Jahr in Angriff zu nehmen?

Genug der Vorrede. Lest selbst, was wir in den drei Wochen erlebt und gesehen haben. Eines können wir schon verraten: Wie bereits vor 10 Jahren so hat uns Schottland auch in diesem Jahr wieder begeistert. Wir sind sicher: Great Britain – und insbesondere Schottland – wird uns garantiert wiedersehen!

Unsere Reiseroute

Tag 1 – Samstag, den 04.08.2018

Die letzten Wochen sind wie im Flug mit Urlaubsvorbereitungen und natürlich der Innenaus-stattung von Scotty vergangen. Endlich ist es soweit und wir machen uns am Morgen auf den Weg zum Fährhafen Ijmuiden, ca. 30 km westlich von Amsterdam.

Wir kommen ohne Stau und Probleme nach gut 3 Stunden an. Der Check-in am DFDS-Terminal schließt erst um 16:30 Uhr. Somit haben wir noch genügend Zeit, uns ein nettes Picknick-plätzchen zu suchen und uns den ersten Kaffee in unserem neuen Reisegefährt zu gönnen. Wie praktisch! Wir stehen an einem Kanal und schauen den vorbeiziehenden Schiffen zu.

Gegen 15:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Hafen. Der Check-in verläuft problemlos, wir erhalten unsere Bordkarten, die gleichzeitig auch die Kabinenkarten sind und beim (vorgebuchten) Abendbuffet Einlass garantieren. Dann heißt es warten.

Scotty wird sicher auf der Fähre „Princess Seaways“ geparkt, wir schultern unsere Rucksäcke und machen wir uns auf die Suche nach unserer Kabine. Wir haben eine Innenkabine gewählt, weil das die günstigste Variante und für eine Nacht völlig okay ist. Mit einem Guinness machen wir es uns an Deck gemütlich, genießen die Sonne und schauen beim Auslaufen zu. Jetzt beginnt für uns der Urlaub!

Natürlich statten wir auch dem Duty Free Shop einen Besuch ab. Wir vergleichen die Preise verschiedener Single Malt Whiskys und schlagen zu. Gleich zwei Flaschen wandern in unser Handgepäck: Old Pulteney Noss Head und Auchentoshan Blood Oak.

Wir schlagen schon mal zu ...
Wir schlagen schon mal zu ...


Bereits bei der Fährbuchung haben wir für 20:30 Uhr das Internationale Buffet für 19,95 Euro/ Person im Restaurant „Explorer’s Kitchen“ reserviert. Bei der Online-Buchung spart man 10 Euro je Person. Das Buffet ist abwechslungsreich und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wir können das Buffet empfehlen.

Nach einem kleinen Rundgang und nach einigen Seiten eBook fallen wir müde ins Bett. Das Meer ist ruhig und wir schlafen tief und fest.

Tag 2 – Sonntag, den 05.08.2018

Wir werden früh wach. Eigentlich zu früh, wenn man nach UK Time geht. Denn wir müssen die Uhren eine Stunde zurückstellen. Wir machen uns fertig – Frühstück gibt’s später – und gehen an Deck, um Newcastle zu begrüßen. Obwohl wir schon gegen 9:00 Uhr anlegen, kommen wir erst gegen 10:30 Uhr von der Fähre runter. Gut Ding will Weile haben …

Dank Smartphone und GoogleMaps (leider fehlt Scotty dieses Equipment noch) finden wir schnell einen Morrisons Supermarkt. Neben Tesco und ASDA finden wir diese Supermarktkette am besten. Es gibt alles, was das Herz begehrt und noch viel mehr … Sainsbury's soll auch gut sein, da haben wir allerdings noch keine Vergleichsmöglichkeiten.

Den kurzen Weg zu St. Mary´s Island bzw. St. Mary’s Lighthouse legen wir schnell zurück und dann gibt’s erst einmal ein ausgiebiges Frühstück mit Blick auf die Nordsee. Es ist Sonntag und viele Familien sind unterwegs, um Krebse und Muscheln zu sammeln. Was sie allerdings mit den oft winzigen Krebsen anfangen, bleibt uns ein Rätsel. Vielleicht Angelköder?

Wir spazieren zum Leuchtturm und in einiger Entfernung können wir Seehunde beobachten, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Dann wird es Zeit zur Rückkehr – die Briten kontrollieren sehr penibel die Parktickets und es drohen heftige Strafen.

St. Mary's Lighthouse


Also, Weiterfahrt nach Alnwick Castle. Auf dem Schloss wohnt noch eine Adelsfamilie. Zudem ist das Schloss ein Muss für alle Harry Potter-Fans. Hier wurden Außenaufnahmen für die ersten beiden Harry Potter-Filme gedreht und die Zauberlehrlinge hatten auf dem Gelände ihre ersten Flugstunden. Witzig: Noch heute werden „Broomstick Lessons“ (Besenflugstunden) angeboten, wir konnten einigen Kids bei ihren „Flugübungen“ zuschauen. Leider fehlt uns die Zeit sowohl für die Flugstunden als auch für einen Schlossbesuch, so dass wir uns nur den Garten anschauen. Dieser ist wirklich sehr schön und mit seinen vielen Wasserspielen echt sehenswert. Für unsere nächste Schottlandtour werden wir aber in jedem Fall den Besuch des Schlosses einplanen.

Alnwick Castle
Alnwick Castle


Wir fahren bis Seahouses, weil wir uns dort einen Stellplatz herausgesucht haben. Da uns dieser aber nicht gefällt, fahren wir weiter bis kurz hinter Bamburgh. Und siehe da: Hier finden wir einen tollen kleinen Caravan-/Wohnmobilstellplatz für die erste Nacht. Nach dem Abendessen machen wir es uns mit einem Whisky gemütlich und genießen den Blick auf das Meer.


Übernachtung:

Farm Campsite – Rasenstellplatz mit Blick aufs Meer, Frischwasser- und Grauwasserentsorgung möglich, Preis: 10 GBP
GPS-Koordinaten: N55° 36.551' W1° 45.411'

Tag 3– Montag, den 06.08.2018

Die erste Nacht in Scotty haben wir fantastisch geschlafen und lassen den Tag langsam angehen. Nach dem Frühstück fahren wir noch einmal ein kurzes Stück zurück, um Bamburgh Castle in Augenschein zu nehmen. Leider öffnet das Castle erst in einer Stunde, so dass wir auf einen Besuch verzichten. Aber ein Foto muss schon sein.


Ursprünglich haben wir in Betracht gezogen, die Farne Island zu besuchen. Dort soll es Puffins (Papageientaucher) geben. Das Problem ist nur, dass wir zur falschen Jahreszeit unterwegs sind. Die possierlichen Vögel sind mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr an Land zu finden, sondern bereits wieder auf dem Wasser unterwegs. Diesen Trip sparen wir uns dann doch lieber fürs nächste Mal auf.

Gemütlich fahren wir über kleine Straßen immer der Küste entlang und nehmen auch schon mal einen Umweg in Kauf. Bei Marshall Meadows überqueren wir die schottische Grenze auf der A1.

Fàilte air Alba – Welcome Scotland!
Ein recht unspektakulärer Grenzübertritt. Fahnen, ein Gedenkstein und ein Burger-Stand signalisieren, dass wir England verlassen und Schottland erreicht haben. Bei unserem letzten Besuch sind wir eine andere Route gefahren und dort wurden wir von einem Piper begrüßt. Na ja, immerhin sind wir jetzt endlich in Schottland angekommen!


Wir landen in St. Abbs, einem kleinem Fischerdorf - ein netter Hafen, ein Hotel und Ebbcars Café. In Letzterem haben wir auf der kleinen Terrasse bei Sonnenschein einen super leckeren Krabbensalat verputzt – fangfrisch, versteht sich.


Weiter geht es an der Küste entlang bis Tantallon Castle, welches wir aber nicht besuchen. Uns interessiert der Blick auf den Bass Rock. Die frühere Gefängnisinsel ist heute ein Paradies für Seevögel. Der Felsen beherbergt eine der größten Basstölpel-Kolonien und steht unter Naturschutz. Der Basstölpel verdankt übrigens seinen Namen diesem Vulkankegel.

Bass Rock


Wer die Serie „Outlander“ kennt, muss natürlich auch der Preston Mill einen Besuch abstatten. In der Mühle hat sich Jamie unter Mithilfe von Claire und ihrer Schwester verstecken können. Sorry, das mussten wir nachlesen, da wir die Serie nicht sehen. Die historische Mühle wird seit 1950 vom National Trust for Scotland betreut und liegt malerisch an einem kleinen Bach. Wer die Mühle nur von außen betrachten möchte, bezahlt keinen Eintritt. Das Innere der Mühle kann man allerdings nur in Verbindung mit einer kleinen Führung besichtigen.


Als letzten Programmpunkt für den heutigen Tag steht die Besichtigung der Glenkinchie Distillery in Pencaitland an. Ein Besuch der Distillerie lohnt in jedem Fall. In den Ausstellungsräumen gibt es u. a. ein großes und sehr schönes Modell der Distillerie, in dem alle Arbeitsgänge dargestellt sind. Während der Führung hat uns eine freundliche und kompetente Führerin alle Fragen beantwortet. Nach der Tour kann man 2 oder 4 verschiedene Whiskys (je nach Tour) probieren. Wenn man nicht probieren möchte oder kann (Fahrer!), der bekommt den Whisky in einen kleinen Behälter gefüllt und darf ihn mitnehmen. Das finden wir mal eine gute Idee! Natürlich findet auch eine Flasche Glenkinchie den Weg in Scottys „Barschrank“.


Die letzte Strecke nach Edinburgh ist dann relativ schnell bewältigt. Da wir bereits im Vorfeld wussten, was im August in Edinburgh los ist, haben wir uns schon im Januar einen Campingplatz gesichert. Der Platz liegt ein wenig außerhalb der Stadt, ist gepflegt und hat sehr große Parzellen. Unser Platz hat Strom-/Wasseranschluss und sogar eine eigene Grauwasserent-sorgung. Zur Bushaltestelle läuft man max. 10 Minuten und nach ca. 25 Minuten ist man in der City. Alles super, kein Schnäppchen, aber gerne wieder.

Übernachtung:
Mortonhall Caravan & Camping Park, Edinburgh – Preis: 39 GBP pro Nacht inkl. aller Services
GPS-Koordinaten: N55° 54.269' W3° 10.819'

Tag 4 - Dienstag, den 07.08.2018

Wir schlafen aus und lassen den Tag langsam angehen.
Dann machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Wie bereits erwähnt, kommt man leicht mit dem Bus in die City (Linie 11). Ein Tagesticket kostet 8 GBP pro Person und kann man an der Rezeption bzw. im Shop kaufen. Die Haltestelle befindet sich unweit der Einfahrt zum Campingplatz.

Wir haben Glück, der Bus fährt durch bis zum Ocean Terminal. Hier liegt die Royal Yacht Britannia im Hafen, die wir heute besichtigen. Die Jacht diente der Queen und ihrer Familie über 40 Jahre lang als Reiseunterkunft und wurde am 11. Dezember 1997 außer Dienst gestellt. Die laufenden Betriebskosten von rund 30 Millionen Euro jährlich waren einfach zu hoch und eine Modernisierung lohnte nicht.

Heute ist die Jacht ein Museumsschiff und kann über ein Besucherzentrum betreten werden. Gottlob haben wir die Tickets schon im Vorfeld online gekauft, ansonsten hätten wir uns in die unendlich lange Menschenschlange einreihen müssen. Im Zentrum kann man sich über die Geschichte der Jacht informieren und es sind viele private Fotos der königlichen Familie zu sehen. Mit einem Audioguide bewaffnet geht es dann auf die Brücke des Schiffs und von dort kann man die fünf Hauptdecks der Yacht besichtigen. Zu den Highlights zählen die prächtigen Staatsgemächer sowie die königlichen Schlafräume. Interessant: Das einzige Doppelbett ließ Prinz Charles 1981 für seine Flitterwochen mit Lady Di an Bord bringen. Der Lieblingsraum von Queen Elizabeth war die Veranda mit einem Sonnendeck, der Holzboden musste jeden Morgen geputzt werden. Mit an Bord war auch immer der Rolls-Royce „Phantom V“, den man heute hinter Glas betrachten kann. Auch die spartanisch ausgestatteten Mannschaftsräume, die große Wäscherei und der Maschinenraum können besichtigt werden. Auf dem Royal Deck gibt es einen Tea Room, wo die Besucher stilecht ihren „Afternoon Tea“ zelebrieren können. Die Britannia kann auch für Konferenzen oder Bankette gemietet werden. Wir haben uns allerdings nicht getraut, nach den Preisen zu fragen.
Alles in Allem: Ein Besuch wert!


Dann fahren wir zurück in die City. Nun ja, wir wussten ja, was uns erwartet und das die Stadt aufgrund der großen stattfindenden Events (Military Tattoo und Fringe Festival) ziemlich voll sein wird. Und es war voll – sehr voll! Kein Vergleich zu unserem ersten Besuch vor einigen Jahren im Mai, wo es wesentlich ruhiger und gemächlicher zuging. Walter hat schon keine Lust mehr … Eine Zeit lang ist es interessant, den vielen Straßenkünstlern zuzuschauen. Aber durch die Royal Mile wird man quasi durchgeschoben und permanent wird man angesprochen und es werden Infos und Karten für irgendwelche Abendveranstaltungen angeboten. Es kommen Erinnerungen an einen türkischen Markt hoch.


Relativ schnell verlassen wir die City und fahren in Richtung Dean Village. Obwohl wir nur ein paar Minuten vom Zentrum entfernt sind, finde man sich in einer anderen Welt wieder. Wir spazieren an malerischen Häusern entlang, folgen dem Flüsschen Leith und finden Ruhe und Entspannung im Dean Garden. Schnell ist das hektische Treiben auf der Royal Mile vergessen.


Wir stärken uns in einem Café und treten ein wenig geschafft den Heimweg an.

Übernachtung:

Mortonhall Caravan & Camping Park

Tag 5 – Mittwoch, den 08.08.2018

Heute ist ein besonderer Tag, denn vor genau 10 Jahren haben wir uns das Ja-Wort gegeben. Deshalb haben wir uns für heute nicht viel vorgenommen, aber dafür etwas Besonderes.

Nach dem Frühstück fahren wir wieder mit dem Bus ins Stadtzentrum. Auf den steilen Aufstieg zum Arthur’s Seat haben wir keine rechte Lust und wir ziehen den wesentlich kürzeren und bequemeren Weg auf den Calton Hill vor. Auch von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf die Altstadt. Das Nelson Monument erinnert an die Napoleonischen Kriege und das National Monument daran, dass den Geldgebern (u.a. dem Paten des Projektes Sir Walter Scott) nach der Errichtung der 12 Säulen das Geld ausging. Es gibt noch das Dugald Stewart Monument und das alte Stadtobservatorium. Letztes wird derzeit renoviert.


Nach so viel Kultur sind wir hungrig. Bereits von zu Hause haben wir einen Tisch im Restaurant „Forage & Chatters“reserviert – ein Tipp aus Tripadvisor. Bei der Online-Buchung wurde man gefragt, ob es sich um einen besonderen Anlass handelt. Aber klar doch! Daher werden wir mit einem Glas Prosecco begrüßt und einem Amuse-Gueule aus der Küche. Zum Abschluss gibt es noch einen großen Teller - verziert mit „Happy Anniversary“ (Schokoschrift) und zwei winzig kleinen, aber sehr leckeren Kuchenhäppchen. Wir haben uns über diesen wirklich sehr aufmerk-samen Service sehr gefreut! Aber auch das Menü war super lecker und sehr schön angerichtet. Der Service war perfekt und wir haben uns in dem gemütlichen Ambiente sehr wohl gefühlt.


Wir fahren zurück zum Campingplatz, um noch ein wenig die Füße hochzulegen und unsere Rucksäcke für den Abend zu packen. Immerhin steht noch ein Highlight auf dem Programm: The Royal Edinburgh Military Tattoo – das größte Militärmusikfestival Schottlands. Es treten britische und internationale Streitkräfte sowie Militärkapellen und Tanzformationen aus anderen Ländern auf – nicht nur aus dem Commonwealth.

In die Rucksäcke wandern neben einer Fleecejacke, einem Anorak, Regenjacke/-hose und warme Sitzkissen auch Halstuch, Mütze und eine kuschelige Decke. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben. Aber wir sind nicht die Einzigen, die eine solche „Ausrüstung“ dabei haben und später stellt sich heraus, dass wir bis auf die Regenkleidung ALLES benötigen. Handschuhe wären auch nicht schlecht gewesen. Es ist sehr frisch auf den hohen Tribünen!

Sobald man die große Esplanade vor dem Edinburgh Castle betritt, wird man von der Atmosphäre gefangen genommen. Tausende Fans strömen herein, alles läuft sehr gesittet und ruhig ab. Englisch eben! Ein roter Teppich wird ausgerollt und der Air Chief Marshal der Royal Air Force (Veranstalter des diesjährigen Military Tattoos) fährt in einem dunklen Wagen vor. Über den Teppich schreitet er zur VIP-Tribüne. Und dann beginnt pünktlich um 21 Uhr die Mega-Show. Man kann es schlecht beschreiben, dazu fehlen die treffenden Worte. Sobald die ersten Pipes & Drums ertönen und die Bands einmarschieren, ist man gefesselt. Auch wenn jemand nicht so auf Pipes & Drums steht, so beeindruckt alleine die Masse der Musiker. Das Edinburgh Castle dient als Projektionsfläche und wird für beeindruckende Lichtershows genutzt. Gänsehautatmosphäre vor grandioser Kulisse und ein einzigartiges Erlebnis!


Die 90 Minuten gehen viel zu schnell vorbei und den Abschluss bildet ein fantastisches Feuerwerk. Ein Megaevent, eine großartige und beeindruckende Show und jedes Pfund wert!
Noch völlig berauscht verlassen wir den Schauplatz und fahren schweren Herzens zurück zum Campingplatz. Der Abend wird uns immer in Erinnerung bleiben.

Übernachtung:
Mortonhall Caravan & Camping Park

Tag 6 – Donnerstag, den 09.08.2018

Heute verlassen wir die quirlige Stadt und starten unsere Tour in den Norden Schottlands.

Dank Internet und intensiven Recherchen wissen wir jetzt natürlich, von wo aus man den besten Blick auf die Forth Bridge hat. Die Eisenbahnbrücke über den Firth of Forth wurde 1890 eröffnet, wurde vollständig aus Stahl hergestellt und hatte damals die größte Spannweite aller Brücken weltweit. Wir erreichen South Queensferry und werden erst einmal von Kreuzfahrttouristen überrollt. Ihr Schiff hat vor kurzem angelegt und die Tenderboote sind damit beschäftigt, alle Passiere von Bord und zu den bereitstehenden Bussen zu transportieren. Eine kleine Gruppe Piper empfängt die Besucher an der Anlegestelle. Wir sehen zu, dass wir einige schöne Fotos schießen und schnell dem Trubel entfliehen.


Zunächst führt uns unser Weg nach Falkirk. Wir besichtigen das Falkirk Wheel, ein modernes Schiffshebewerk, welches durch seine Konstruktion ähnlich eines Riesenrades einmalig auf der Welt ist. Der Höhenunterschied von 24 Metern wird in ca. 4 Minuten überwunden. Die Boote kommen z. B. im höherliegenden Union Canal an, fahren in das Hebewerk und werden in den tieferliegenden Forth and Clyde Canal befördert. Ein echt interessantes Schauspiel, dem man stundenlang zusehen kann.


Und wenn wir schon mal in der Nähe sind, dann möchten wir natürlich auch gerne die Kelpies in Falkirk sehen. „The Kelpies“ sind zwei Stahlskulpturen, jeweils 30 m hoch und stehen im Helix-Park. Der Bildhauer Andy Scott hat 2013 die beiden Kelpien, Wassergeister in Pferdegestalt, erschaffen. Viele Besucher kommen am Abend oder in der Nacht, weil die beiden Köpfe dann angestrahlt werden. Ein begehrtes Fotomotiv, aber so lange können wir leider nicht bleiben.


Wir fahren weiter nach Culross – ein Bilderbuchstädtchen aus dem Mittelalter. Weiß getünchte „Little Houses“ sowie mit Steinen gepflasterte Straßen bestimmen das Ortsbild. Der Culross Palace fällt durch seine leuchtend gelbe Farbe direkt ins Auge. Ein Kaufmann erbaute das Anwesen zu Beginn des 17. Jahrhunderts.
Culross war übrigens Drehort für einige Filme, z. B. „Der kleine Vampir“ und „Outlander“.


Eigentlich hatten wir vor, St. Andrews noch einen Besuch abzustatten. Der Ort ist allerdings ziemlich überlaufen und insbesondere die gepflegten Golfplätze sehr gut besucht. Wir fahren weiter.

Der ursprüngliche Plan, in Stonehaven zu übernachten, verwerfen wir. Zum einen hätten wir noch eine gute Stunde Fahrzeit vor uns und zum anderen sehen wir in Arbroath einen sehr schönen Stellplatz direkt am Meer. Spontan beschließen wir, hier unser Nachtlager aufzuschlagen – auch, wenn wir es mit einigen anderen WoMo’s teilen müssen.


Übernachtung:

Arbroath – Stellplatz am Freizeitparkt, direkt am Meer
GPS-Koordinaten: N56° 33.136' W2° 35.327'

Tag 7 - Freitag, den 10.08.2018

Nach dem Frühstück verlassen wir Arbroath und steuern Lunan Bay an. Es gibt einen schönen, kleinen Campingplatz, der quasi direkt an einem wunderschönen Strand liegt. Hier könnte man durchaus einen Stopp einlegen und mal die Seele baumeln lassen. Wir merken uns das für unsere nächste Schottland-Tour.


Stonehaven mit seinem Hafen macht einen netten Eindruck, aber uns zieht es zum Dunnottar Castle, welches ein paar Kilometer weiter auf einem Felsen thront. Es scheint, als wäre das Castle mit dem Felsen verwachsen. Wir haben die Ruinen nur von außen besichtigt bzw. sind den Küstenpfad entlanggelaufen. Von hier aus hat man einige spektakuläre Blicke auf das Anwesen.
Falls jemand den Disneyfilm „Merida“ kennt: Die dramatische Kulisse des Castles diente als Vorbild für die Burg, auf der die Heldin Merida lebte.


Als wir Aberdeen erreichen, regnet es heftig und es gibt ein kurzes Gewitter – Weltuntergangs-stimmung. Wir sparen uns Peterhead und fahren auf dem kürzesten Weg nach Pennan – wo die Sonne bereits wieder lacht. Die „Abfahrt“ zu dem kleinen Dörfchen (eigentlich nur ein paar Häuser) ist recht abenteuerlich - 14 % Steigung und sehr eng. Pennan liegt traumhaft am Meer und lädt zu einer Kaffeepause ein. Für die Filminteressierten: Das Dörfchen wurde auch bekannt als Filmkulisse für „Local Hero“.


Scotty kämpft sich wieder den Berg hoch und nimmt Kurs auf Portknockie. Der Ort selbst interessiert uns weniger, aber wir möchten einen Blick auf den bekannten Bow Fiddle Rock werfen. Dazu fährt man durch den Ort ans Meer, parkt und folgt der Beschilderung auf einem kleinen Fußweg. Der Bow Fiddle Rock ist ein natürlicher Meeresbogen und er wird so genannt, weil er der Spitze eines Geigenbogen ähnelt.

Bow Fiddle Rock


Für die heutige Übernachtung haben wir uns aus dem Stellplatzführer „BritStop“ die Beach Bar in Lossiemouth herausgesucht. Der Stellplatz befindet sich hinter dem Restaurant direkt am Meer. Selbstverständlich nutzen wir die Gelegenheit und lassen heute unsere Küche kalt. Im Restaurant essen wir super leckere Fish & Chips.


Übernachtung:

Lossiemouth - Stellplatz The Beach Bar (BritStop), direkt am Meer
GPS-Koordinaten: N57° 43.471' W3° 17.525'

Tag 8 - Samstag, den 11.08.2018

Heute möchten wir Delfine sehen! Aber dafür müssen wir den schönen Stellplatz in Lossiemouth wieder verlassen.

Wir fahren gemütlich in Richtung Nairn – meilenmässig hält sich das heute in Grenzen – als wir kurz vor Forres plötzlich einen Wegweiser zur Benromach Distillery sehen. Na, die sagt uns (noch) wenig und kurzerhand legen wir einen Stopp ein. Was soll ich sagen: Der Whisky ist sehr gut und schon haben wir eine Flasche mehr im Gepäck. Die Distillery Dallas Dhu ist nur gut 2 Meilen entfernt und auch dort legen wir einen kurzen Stopp ein. Dieser kleine Umweg hat sich für uns jedoch nicht gelohnt. Die Distillerie wurde 1983 stillgelegt und es besteht die Möglichkeit, eine Führung mit Audioguide zu machen. Ansonsten gibt es ein Visitor Center und einen großen Shop.

Da fällt die Auswahl schwer ...
Da fällt die Auswahl schwer ...


Uns zieht es weiter zum Fort George, eine Festung aus dem 18. Jahrhundert und noch weitest-gehend im Original-Zustand. Es ist eine der bedeutendsten europäischen Anlagen aus dieser Zeit. Erbaut wurde es, um das schottische Hochland nach dem Jakobitenaufstand 1745/46 zu schützen. Die Kasernen werden noch heute für militärische Zwecke genutzt und ein Großteil der Anlage ist Besuchern zugänglich.
Wir haben Glück: Heute findet das Event „Kings & Clansmen“ im Fort George statt und es ist schon richtig was los. Es werden Geschichten von früheren Schlachten erzählt und nachgestellt, man kann den richtigen Umgang mit dem Schwert lernen oder man erfährt, welche Kräuter zur Heilung von Wunden verwendet wurden.


Nicht weit entfernt liegt das Culloden Battlefield, ein wenig schottische Geschichte kann ja nicht schaden. Die Schlacht von Culloden fand am 16. April 1746 statt und war nach gut 30 Minuten bereits beendet. Die Verluste der Jakobiten waren enorm. Wir interessieren uns zwar für Schottlands Geschichte und diese wird im Besucherzentrum auch sehr ausführlich dargestellt (inkl. Audioguide). Das Battlefield selbst ist allerdings für uns eine riesige Wiese und Gedenksteine markieren die Gräber der Clans und ihrer gefallenen Helden. Für die Schotten ist Culloden Battefield mit Sicherheit ein sehr bedeutsamer Ort, aber für uns war das dann doch ein wenig „too much“.


Über Inverness fahren wir nach Fortrose. Der Campingplatz liegt direkt am Meer mit Blick auf Fort George, die Sanitäranlagen sind sauber und die Betreiber sehr freundlich und hilfsbereit. Tony erzählt uns auch, zu welcher Uhrzeit wir am Chanonry Lighthouse sein müssen – nämlich gegen 19 Uhr -, damit wir die Delfine nicht verpassen. Die kommen in der Regel nach Einsetzen der Flut. Hintergrund: Zwischen dem Chanonry Point (Landzunge bei Fortrose) und der gegenüberliegenden Landzunge ist der Moray Firth hier nur gut 1 km breit. Durch diese Meeresenge müssen auch viele Fischschwärme. Und genau das wissen wohl auch die Delfine …


Gegen 18:30 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Leuchtturm, wo sich schon etliche Zuschauer eingefunden haben. Wir alle haben Glück und können die Säuger beim Jagen und Spielen ausgiebig beobachten. Ein sehr schönes Erlebnis!


Übernachtung:

Fortrose, Rosemarkie Camping and Caravanning Club Site – Preis: 32,45 GBP
GPS-Koordinaten: N57° 35.143' W4° 06.676'

Tag 9 – Sonntag, den 12.08.2018

Wir haben gelesen, dass eine Fähre zwischen Cromarty und Nigg pendelt. Das ist sehr praktisch, weil wir uns somit den Umweg um den Cromarty Firth sparen. Wir sind ja schon mit einigen Fähren gefahren, aber diese Fahrt werden wir so schnell nicht vergessen.

Wir kommen in Cromarty an und fahren zur Anlegestelle am Hafen. Einen Hinweis, ob und wann die Fähre fährt, finden wir nicht. Auf unsere Nachfrage in der gegenüberliegenden Bar hin sagt man uns freundlich, dass wir einfach warten sollen, die Fähre pendelt immer hin und her. Das Grinsen hätte uns schon misstrauisch machen sollen … Hinter uns gesellen sich noch ein Wohnmobil und ein weiterer Kastenwagen dazu. In der Ferne können wir ein kleines Schiff sehen, aber noch machen wir uns keine Gedanken. Bis das Schiff näher kommt und auf den Anleger zuhält. Auf dem Schiff stehen ein (!) Auto und ein paar Fußgänger. Mehr hätte auch nicht darauf gepasst! Wir schauen uns an und schlucken.

Der Wagen fährt langsam von der Fähre. Während dessen kommt der nette „Ferryman“ und schaut sich unseren Kastenwagen an. Er wägt ab und signalisiert uns „Passt schon!“. Das Wohnmobil hinter uns hat weniger Glück, es passt nicht und muss den Umweg nehmen. Aber der nächste Kastenwagen darf bleiben und auf die nächste Runde warten. Ganz vorsichtig dirigiert der Fährmann Scotty auf das schwankende Boot. Tatsächlich, passt gerade so, aber nur mit eingeklappten Seitenspiegeln. Die kleine Heckklappe schließt sich und wir fahren schwankend ans andere Ufer. Nach gut 15 Minuten die gleiche Prozedur wieder rückwärts vom Boot. Geschafft! Man erlebt schon einiges hier in Schottland …


Daraufhin brauchen wir jetzt einen Whisky und wir steuern die Glenmorangie Distillery an. Eine sehr schöne Distillerie mit angrenzendem Shop, wo wir u. a. ein Geburtstagsgeschenk für einen lieben Freund erstehen.


Unser nächster größerer Stopp ist das Dunrobin Castle, Stammsitz der Dukes of Sutherland. Dieses Castle sieht so ganz anders aus als die bisherigen Castles. Es gleicht einem Märchen-schloss und erinnert spontan an Schloss Neuschwanstein oder an ein französisches Chateau. Ein Traumschloss direkt am Meer! Umgeben ist das Schloss von wunderschönen Gartenanlagen, die auch eine Falknerei beinhalten. Nachdem wir den Garten und die Greifvögel ausgiebig begutachtet haben, gehen wir ins Innere des Schlosses. Insgesamt gibt es 189 Zimmer, die aber – gottlob – nicht alle besichtigt werden können. Ausgestattet sind die Räume mit kostbarem antiken Mobiliar und täglichen Dingen der Familie. Auch heute noch wird das Schloss als Familienhaus der Sutherlands genutzt. Ein Besuch lohnt sich.


Wir fahren weiter – durch Wick bis zum Noss Head Lighthouse. Wir parken und während wir bei Sonne Kaffee, Kuchen und die Aussicht genießen, beschließen wir, die Nacht hier zu verbringen.
Nach der kleinen Stärkung laufen wir noch zum Girnigoe and Sinclair Castle. Die beiden Burgruinen sind frei zugänglich und man hat eine spektakuläre Aussicht auf die Klippen.

Girnigoe and Sinclais Castle
Girnigoe and Sinclais Castle
Noss Head Ligthouse
Noss Head Ligthouse


Übernachtung:
Wick - Noss Head Lighthouse, Parkplatz mit Sicht auf das Meer
GPS-Koordinaten: N58° 28.534' W3° 03.434'

Tag 10 – Montag, den 13.08.2018

Zunächst geht es zurück nach Wick, weil wir gerne noch zum Ebenezer Place möchten. Mit einer Länge von nur 2,06 m ist das lt. Guiness-Buch der Rekorde die kürzeste Straße der Welt. Der Eingang zu einem Restaurant nimmt die komplette Straßenseite ein.


Heute möchten wir den nördlichsten Punkt der britischen Hauptinsel erreichen: John o’Groats. Streng genommen ist das allerdings Dunnet Head, etwas weiter westlich. Aber die weiteste direkte Straßenverbindung in Großbritannien liegt zwischen Land’s End in Cornwall und eben John o’Groats im Norden Schottlands und beträgt 1.406 km. Deshalb nennen die Briten diesen Weg auch „End-to-end“. Nun ja, John o’Groats ist bei weitem nicht so schön wie Land’s End – eigentlich nur ein großer Parkplatz mit einen diversen Gebäuden wie z. B. Touristinformation, Hotel, Shop. Es lohnt nur ein kurzer Fotostopp, um das allseits bekannte Hinweisschild zu fotografieren.


Da es ansonsten nichts Aufregendes im Ort zu sehen gibt, fahren wir recht bald weiter zum Duncansby Head Lighthouse, ein 1924 erbauter Leuchtturm. Wir laufen zu den spektakulären Felsformationen und kegelförmigen Felsspitzen – den Duncansby Stacks. Hier nisten viele seltene Seevögel und wenn man zur richtigen Jahreszeit vor Ort ist, sieht man wohl auch Papageientaucher.
Der Parkplatz beim Leuchtturm ist auch ein hervorragender Übernachtungsplatz. Für uns allerdings noch ein wenig früh.


Wir besuchen Castle of Mey, den ehemaligen Landsitz von Queen Mum (1952-2002). Das Castle ist die einzige Immobilie, die ihr persönliches Eigentum war. Nach dem Kauf ließ sie es grundlegend renovieren, u. a. wurden Strom und Wasser installiert. Bis zu Ihrem Tod am 30.03.2002 nutzte Queen Mum immer im August und im Oktober das Castle of Mey als Urlaubsdomizil. In ihrem Testament hat sie bestimmt, dass nach ihrem Tod der Queen Elizabeth Castle of Mey Trust gegründet wird, der das Anwesen weiter verwaltet. Prinz Charles hält sich in der Regel Anfang August eine Woche lang auf dem Castle auf (da waren wir wohl zu spät).

Wenn das Castle nicht von Mitgliedern der königlichen Familie genutzt wird, ist es für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Besichtigung ist sehr persönlich. In fast allen Räumen stehen Guides, die sowohl etwas über die einzelnen Wohnräume als auch über das Leben der Queen Mum erzählen und sie geben einige Anekdoten zum Besten. In den Räumlichkeiten findet man ganz persönliche Gegenstände von Queen Mum, z. B. Kostüme, die sie getragen hat, Schuhe, Handtaschen, Familienfotos. Eine sehr interessante und schöne Besichtigung!

Memorial Bench
Memorial Bench


Wir kommen zum Dunnet Head, dem nördlichsten Punkt des schottischen Festlandes. Bei gutem Wetter – wir haben Glück! – hat man einen wunderbaren Blick auf die Orkney Inseln. Die britische Marine errichtete hier im zweiten Weltkrieg einen Beobachtungsposten. Einige Überreste der Radarstation (Betonstümpfe und Ziegelbaracken) kann man noch heute sehen.

Gemeinsam mit einigen anderen Campern übernachten wir auf dem Parkplatz direkt am Dunnet Head Lighthouse.

Dunnet Head mit Blick auf die Orkneys


Übernachtung:
Thurso – Dunnet Head Lighthouse, Parkplatz mit Sicht auf das Meer
GPS-Koordinaten: N58° 40.219' W3° 22.610'

Tag 11 – Dienstag, den 14.08.2018

Heute haben wir einen etwas verregneten Tag. Schottisch eben. Aber doch etwas schade, weil wir gerade die Nordküste Schottlands noch nicht kennen und wir uns die wunderschöne Landschaft und die Strände eigentlich etwas intensiver anschauen wollten. Nun ja, wir nehmen es, wie es kommt.

Zunächst fahren wir in Richtung Strathy Point. Wir haben gehofft, dass der Regen nachlässt, ist aber nicht so. Also sparen wir uns die kleine Wanderung zum Strathy Point Lighthouse. Er ist der erste Leuchtturm in Schottland, der speziell für den elektrischen Betrieb gebaut wurde.

Auch in Bettyhill, Tongue und am Loch Eriboll machen wir nur Halt, um schnell ein paar Fotos zu schießen. Es regnet in Strömen. Aber die Landschaft lässt trotzdem erahnen, wie schön es hier ist.


Wir kommen zur Smoo Cave und der Regen lässt nach, es nieselt nur noch etwas. Also werfen wir uns in unsere Regenkleidung und wagen den kurzen Abstieg zur Höhle. Diese ist wirklich beeindruckend. Der Eingang der Kalksteinhöhle ist gewaltig - über 15 Meter hoch und damit die Meereshöhle mit dem größten Zugang auf den britischen Inseln. Über einen Holzsteg kommt man zu einer weiteren Kammer, wo ein Wasserfall herunter stürzt. Es gibt noch eine dritte Kammer, aber diese kann man nur im Rahmen einer geführten Bootstour besichtigen. Wir begeben uns wieder ans Tageslicht und laufen noch ein wenig die Bucht entlang. Von hier hat man auch einen sehr schönen Blick auf den Höhleneingang.


Der Regen hat gottlob aufgehört und wir erreichen relativ früh und bei Sonnenschein Sango Sands. Einer der schönsten Strände Schottlands – feiner Sand, türkisblaues Wasser und schwarze Felsen. Fast schon ein karibischer Traum – wenn das Wasser ein wenig wärmer wäre. Einige hartgesottene Surfer in ihren Neoprenanzügen hält das jedoch nicht ab. Es gibt eine kleine Aussichtsplattform (sehr windig!), von wo aus man einen tollen Blick in beide Richtungen werfen kann.


Am Abend lassen wir die Küche kalt und gehen in die zum Campingplatz gehörende Bar/Restaurant, wo wir sehr gut gegessen haben.

Übernachtung:
Durness, Sango Sands Oasis Campsite – Preis: 22 GBP
GPS-Koordinaten: N58° 34.149' W4° 44.529'

Tag 12 – Mittwoch, den 15.08.2018

Auf der Fahrt nach Poolewe machen wir einen Abstecher nach Kinlochbervie. Die Strecke ist sehr schön und zieht sich am Loch Inchard entlang. Immer wieder genießt man einen tollen Blick auf die umliegende Landschaft und das Loch. Kinlochbervie selbst steht ganz im Zeichen des Fischfangs. Es gibt eine Fischversteigerungshalle und die Straße ist sehr gut ausgebaut für die vielen an- und abfahrenden Kühltransporter. Wir fahren nicht bis nach Sandwood Bay (obwohl dieser sehr schön sein soll), sondern kehren um.

Kinlochbervie


Wir fahren über Scourie und Unapool und dann die B869 über Nedd, Drumberg, Clachtoll (Old Man of Stoer lassen wir rechts liegen, Wetter zu schlecht) bis zum Loch Assynt. In Drumberg entdecken wir einen kleinen, verträumten Teagarden, wo wir uns bei Scones und Tee stärken. Die Strecke ist wunderschön, zieht sich allerdings ein wenig und es ist relativ viel los auf der Straße.



Am Loch Assynt stehen die Ruinen von Ardvreck Castle und Calda House. Trotz Nieselregel nehmen wir den kleinen Spaziergang zum Ardvreck Castle in Kauf, wobei es nicht allzu viel zu sehen gibt.

Ardvreck Castle
Ardvreck Castle
Calda House
Calda House
Loch Assynt
Loch Assynt


Wir fahren durch Ullapool und dann weiter die A832 bis Poolewe. Auch hier: Trotz leichtem Regen eine traumhafte Landschaft - Regenbogen inklusive.


In Poolewe steuern wir die Campsite direkt an der Hauptstraße an. Erstmalig erleben wir, dass keine Pitches (Stellplätze) mehr zur Verfügung stehen. Wir fahren zurück nach Laide und haben mit dem Gruinard Bay Caravan Park eine noch bessere Wahl getroffen – direkt am Meer, sehr freundlicher Service und ganz neue, saubere Duschen.


Übernachtung:

Laide, Gruinard Bay Caravan Park - Preis: 22 GBP
GPS-Koordinaten: N57° 52.052' W5° 32.273'

Tag 13 – Donnerstag, den 16.08.2018

Am Vormittag besuchen wir den Inverewe Garden in Poolewe, einer der nördlichst gelegenen botanischen Gärten der Welt. Durch den warmen Golfstrom findet man hier viele, auch un-typische Pflanzen, z. B. aus Südafrika, Australien und China. Ganz besonders hervorzuheben sind die vielen Rhododendren und Eukalyptus-Bäume.

Obwohl der Garten sehr schön angelegt ist, gleicht er unserer Meinung nach eher einem Forstbotanischen Garten als den typisch englischen Gärten, wie wir sie z. B. von Cornwall her kennen. Im „Walled Garden“ direkt zu Beginn findet man neben wunderschön blühenden Blumen und Pflanzen auch Nutzpflanzen. Diesen Teil finden wir persönlich am Interessantesten. Im übrigen Garten kann man eine Vielzahl verschiedener, auch subtropischer Bäume und Sträucher bestaunen.


Über Poolewe geht es am Nachmittag weiter nach Gairloch, Talladale, Kinlochewe, Torridon und Shieldain in Richtung Applecross. Trotz der vielen und starken Regenschauer möchten wir den Pass auf jedem Fall fahren. Es kommen uns viele Fahrzeuge entgegen und daher denken wir, dass das kein Problem sein wird.

Die steile Gebirgsstrecke ist fantastisch trotz relativ schlechtem Wetter. Wir erreichen den Bealach Na Ba Viewpoint - 2053 Feet (625 Meter) über dem Meeresspiegel – von wo aus wir nur kurze Zeit die grandiose Aussicht auf die flache Ebene genießen können. Dann zieht es sich zu und es wird dunkel und ungemütlich. Wir machen es uns in Scotty mit Whisky und Kerze bequem und nutzen den Parkplatz für unsere Übernachtung.

Bealach Na Ba
Bealach Na Ba


Übernachtung:

Applecross, Bealach Na Ba Viewpoint
GPS-Koordinaten: N57° 25.124' W5° 42.507'

Tag 14 – Freitag, den 17.08.2018

In der Nacht hat es heftig geregnet und vor allem gestürmt. Scotty wurde ganz schön durchgeschüttelt. Am Morgen ist das Wetter jedoch ein wenig besser und wir wagen die spektakuläre Abfahrt nach Applecross hinunter. Kurz vor dem Ortseingang begrüßen uns drei stattliche Hirsche, die sich bei ihrem Frühstück in keiner Weise stören lassen. Der kleine Ort ist (noch) sehr verschlafen und es ist nichts los. Wir vertreten uns die Füße und fahren die gleiche Strecke zurück.


Wir fahren gemütlich weiter die Küste entlang und kommen in das idyllische Hafenörtchen Plockton. Aufgrund des warmen Golfstroms wachsen hier sogar Palmen. Viele Maler und Künstler kommen im Sommer hierher, um bei einem wunderschönen Licht die hübschen Häuser und Gärten zu malen. Der Ort wurde übrigens auch bekannt durch die Serie “Hamish Macbeth”, die BBC vor ca. 20 Jahren hier gedreht hat.


Nach einem leckeren Lunch im “Plockton Stores” fahren wir weiter und steuern die Isle of Skye an – für uns eine der schönsten Inseln. Aber schon direkt nach der Überquerung der Brücke stellen wir fest, dass es ziemlich voll zu sein scheint, es herrscht reger Verkehr. Dann setzt Nieselregel ein. Eigentlich wollen wir einen kurzen Stopp bei den Kilt Rocks machen. Im Vergleich zu unserem letzten Besuch 2008 hat sich hier allerdings Einiges verändert. Der Parkplatz wurde vergrößert und Busse und PKWs stehen bereits auf der Straße Schlange, um einen Blick auf die Kilt Rocks zu werfen. Uns ist diese Menschenansammlung „too much“ und wir fahren zügig weiter.


Kurz hinter Staffin biegen wir links ab in Richtung Quiraing – eine geologische Formation und der nördlichste Kamm der Trotternish Gebirgskette. Da es jetzt wieder heftig regnet und man nicht mehr viel sieht, beschließen wir, uns einen Übernachtungsstellplatz zu suchen und morgen weiter zu fahren in der Hoffnung, dass dann die Sicht besser ist.

Übernachtung:
Quiraing, Stellplatz
GPS-Koordinaten: N57° 37.835' W6° 16.476'

Tag 15 – Samstag, den 18.08.2018

Wir werden von Schafen geweckt, die sich ihr Frühstück rund um Scotty suchen. Das soll auch unser Startzeichen zu sein und wir schwingen uns aus dem Bett. Über Nacht hat sich übrigens noch ein italienisches Wohnmobil zu uns gesellt.

Wir testen heute erstmalig unsere Dusche. Alles klappt super, es ist ausreichend Platz vor-handen. Das Säubern und Trockenwischen nimmt allerdings mehr Zeit in Anspruch als das Duschen selbst. Nun ja, jetzt wissen wir wenigstens, dass wir im Notfall die Dusche nutzen können.

Nach dem Frühstück geht’s weiter zum Quiraing Viewpoint. Die Straße hoch zum Aussichtspunkt ist wirklich spektakulär und oben wird man mit einem grandiosen Blick über eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel belohnt. Der Name Quiraing kommt übrigens aus dem Altnordischen und bedeutet so viel wie „Gerundete Falte“. Sehr treffend!


In Uig angekommen, suchen wir uns erst einmal einen Parkplatz, von wo man gutes WLan empfangen kann. Immerhin hat einer unser Enkel heute Geburtstag und da müssen wir dringend anrufen. Und wie praktisch: Am Parkplatz gibt es auch einen Shop der „Skye Brewery“. Nach einer ausführlichen Beratung decken wir uns selbstverständlich mit einigen Flaschen „Skye Bier“ ein.

Wir möchten gerne auf dem Campingplatz übernachten, wo wir bereits 2008 standen. Alte Erinnerungen kommen hoch … Auch hier hat sich einiges getan, der Platz ist mächtig gewachsen. Aber die Lage am Loch Geshornisch ist noch immer wunderschön.


Nach dem Check-in fahren wir zum Neist Point – eine kleine Halbinsel mit einem Leuchtturm, die den westlichsten Punkt der Isle of Skye markiert. Die Strecke dorthin ist wieder einmal wunder-schön. Am Parkplatz angekommen, laufen wir erst einmal die Steilküste entlang – gerade aus, am Snackshop vorbei. Von hier aus hat dem typischen Blick auf Neist Point, wie man ihn von vielen Fotos her kennt. Einfach grandios!

Dann zurück zum Parkplatz und jetzt geht es rechts ab und über viele Treppenstufen hinunter zum Leuchtturm (Achtung: Der Rückweg ist um einiges anstrengender!). Unten angekommen, findet man noch alte Überreste einer Seilbahn, die für den Transport von Material verwendet wurde. Von hier aus führt ein leichter Weg bis zum Leuchtturm. Früher soll dort mal ein B&B gewesen sein.


Wieder am Parkplatz fahren wir gemütlich zurück zum Campingplatz.
Wir sind wieder einmal fasziniert von den wunderbaren Landschaften der Isle of Skye.

Erstaunlich: Vor 10 Jahren haben wir leidliche Erfahrungen mit Midges machen müssen. In der Dämmerung kamen die Biester und machten einen Aufenthalt im Freien zur Qual. In diesem Jahr haben wir Glück und wir werden von den Quälgeistern verschont – auch ohne Antibrumm und Smidge.

Übernachtung:
Loch Greshornish, Skye Camping and Caravanning Club Site- Preis: 27,65 GBP
GPS-Koordinaten: N57° 28.992' W6° 26.037'

Tag 16 – Sonntag, den 19.08.2018

Es ist Sonntag und daheim schlafen wir schon mal gerne aus. Aber bei dem tollen Wetter hält uns nichts mehr im Bett. Wir frühstücken ausgiebig und machen uns wieder auf den Weg.

Portree ist unser Ziel, mit ca. 2500 Einwohnern der Hauptort der Insel. Der Hafen mit seinen bunten Häusern ist immer wieder ein Anziehungspunkt für die vielen Touristen, die Portree jährlich besuchen. Nach einem Rundgang durch den Ort zieht es auch uns dorthin. Es gibt einen kleinen Shop, der sehr leckere Fish & Chips verkauft. Aber Vorsicht: Die Möwen sind gierig und stürzen sich auf alles, was nicht hinreichend bewacht wird.


Wir setzen unseren Weg durch die Berge fort (B885) und unser nächster Stopp ist die Sligachan Bridge – eine alte Steinbrücke mit drei Bögen über den Sligachan River und Ausgangspunkt vieler Wanderungen in die Black Cuillins. Immer wieder ein beliebtes Fotomotiv. Walter versucht die Brücke ohne Menschen zu fotografieren – unmöglich. Es ist einfach zu viel los in der Hauptsaison.


Die Strecke führt uns nach Elgol durch eine traumhafte Landschaft (B8083). Immer wieder bieten sich wunderschöne Blicke auf kleine Seen, Berge, Häuser und Flüsse. Dieses Strässchen sollte man in aller Ruhe genießen.


Am Nachmittag fahren wir zurück. Wir werden am nächsten Tag von Armadale nach Mallaig übersetzen und deshalb suchen wir uns einen Stellplatz für die Nacht, der nicht allzu weit vom Hafen entfernt liegt. In Richtung Tokavaig werden für fündig. Wir fahren eine kleine und wunderschöne, aber auch sehr steile Straße (25 % Gefälle!) durch eine beeindruckende Landschaft und finden einen Parkplatz in Ord – direkt am Loch Eishort. Bei supertollem Wetter genießen wir Natur und Ruhe.

Parkplatz in Ord


Übernachtung:
Ord am Loch Eishort, Parkplatz direkt am Meer
GPS-Koordinaten: N57° 08.791' W5° 56.487'

Tag 17 – Montag, den 20.08.2018

Wir können uns ein wenig Zeit lassen, weil wir nur noch die Fähre um 12:15 Uhr online buchen konnten. Die frühere Fähre war bereits ausgebucht. Der Check-in schließt 20 Minuten vor Abfahrt.
Am Hafen angekommen, holen wir unsere Tickets im Hafenbüro von Caledonian Ferries. Wir erkundigen uns, ob wir hier auch schon die Fähre zur Isle of Mull buchen können. Wir können. Und man rät uns dringend dazu, weil Hauptsaison ist. Also kaufen wir bereits die Tickets von Kilchoan nach Tobermory und von Craignure nach Oban.

Gut, dass wir reserviert haben, die Fähre ist voll.


Die Überfahrt nach Mallaig dauert gut 25 Minuten. Das Wetter ist fantastisch und wir fahren zunächst zu den Silversands Beaches (B8008). Hier gibt es traumhafte Sandstrände. Obwohl das Wasser recht frisch ist, trauen wir uns – zumindest mit den Füßen – hinein. Herrlich!

Gemütlich geht es weiter über Arisaig, Lochailort und die Halbinsel Moidart bis nach Glenuig. In einem der vielen Foren haben wir gelesen, dass man im „Glenuig Inn“ sehr gut essen kann. Die Küche hat durchgehend geöffnet und wir lassen uns den schottischen Lachs schmecken. Sehr lecker! Im Ardshealach Smokehouse soll es sehr guten Räucherfisch geben, aber der Shop ist leider geschlossen. Dafür erstehen wir in Salen ein sehr leckeres deutsches Brot. Die Besitzer eines B&B backen das Brot nach einem deutschen Rezept selbst. Nicht ganz billig (und klein), aber schmeckt hervorragend. Übrigens auch ein Tipp aus den vielen Reiseberichten, die wir gelesen haben.

Silversands Beach
Silversands Beach
Silversands Beach
Silversands Beach
Glenuig Inn
Glenuig Inn


Die Halbinsel Ardnamurchan erstreckt sich bis zum westlichsten Punkt des britischen Festlandes und ist wunderschön: wilde Landschaften, einsame, kleine Straßen, grüne Hügel und immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die zerklüftete Küste. Kurz hinter Ardslignish finden wir unseren heutigen Übernachtungsplatz. Von einem Parkplatz sehen wir direkt auf einen erloschenen Vulkan und wir können schon mal einen Blick auf die Isle of Mull riskieren. Wunderschön! Vier nette Briten geben uns noch einen Tipp mit auf die Reise: In Tobermory gibt es (angeblich) die weltbesten Fish & Chips und das weltbeste Eis. Nun, wir werden uns morgen auf die Suche begeben und die Leckereien testen.


Übernachtung:
bei Ardslignish, Parkplatz mit Blick auf das Meer an der B8007
GPS-Koordinaten: N56° 40.899' W5° 58.897'

Tag 18 – Dienstag, den 21.08.2018

Heute morgen ist es leider ziemlich bewölkt und nebelig, aber trocken. Zum Fähranleger Kilchoan ist es nicht allzu weit, so dass wir uns mit dem Frühstück Zeit lassen können.


Schon vom Schiff aus sieht Tobermory wunderschön aus – ähnlich dem Hafen von Portree mit vielen bunten Häusern. Aber haben wir bisher geglaubt, dass Portree das schönste Hafen-städtchen ist, so müssen wir jetzt unsere Meinung revidieren. Tobermory toppt Portree bei weitem. Es ist traumhaft und unsere Kameras laufen auf Hochtouren. Es gibt viele nette kleine Läden, an denen wir nicht vorbei gehen können. Als Erinnerung erstehen wir zwei sehr schöne Tassen für Scotty. Auch der Distillerie statten wir einen Besuch ab, aber der Whisky ist relativ teuer.



Selbstverständlich probieren wir auch die weltbesten Fish & Chips, Jakobsmuscheln (hier müssen wir tatsächlich Schlange stehen!) und die weltbeste Icecream. Und wirklich: Die Briten hatten Recht. Beides sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man in Tobermory ist.


Das Wetter schlägt um und es nieselt leicht. Auf der B8073 umrunden wir den nördlichen Teil von Mull. Die bekannten „Karibikstrände“ bei Calgary können wir hinter einem grauen Schleier leider nur erahnen. Wir fahren weiter - fast immer an der Küste entlang: über kleine Single Track Roads, durch kleine, malerische Örtchen und schöne Landschaften.


Wir steuern unseren Übernachtungsplatz an. Die Fidden Farm Campsite liegt nahe Fionnphort direkt am Meer – Schafe und Highlandrinder inklusive.


Übernachtung:

Fionnphort, Fidden Farm Campsite - Preis: 20 GBP
GPS-Koordinaten: N56° 18.358' W6° 21.956'

Tag 19 – Mittwoch, den 22.08.2018

Der Tag beginnt vielversprechend mit schönem Wetter.
Am Strand erscheinen die ersten Besucher: Im Gänsemarsch überqueren drei Schafe gemächlich die kleine Sandbucht. Auf der anderen Seite wartet der Schäfer mit seinem Border Collie, um seine kleine Herde zusammen zu treiben. Ein schönes Bild.


Nach dem Frühstück fahren wir zunächst zu der kleinen Weberei Ardalanish. Wir bekommen einen interessanten Einblick, wie Stoffe, Schals, Umhänge und vieles mehr an den alten Maschinen hergestellt werden. Es gibt einen kleinen Shop, in dem man die handgefertigten Kleidungsstücke kaufen kann.


Dann wird es ein wenig abenteuerlich. Wir fahren die sehr kleine Single Track Road nach Carsaig. Hier ist es teils so eng und unwirklich, dass man glaubt, ans Ende der Welt zu kommen. Aber total schön! Am Ende gelangen wir zu einem großen Herrensitz (Privatbesitz) und einer kleinen Bucht. Hier auf dem winzigen Parkplatz hätte man auch gut die Nacht frei verbringen können. Wunderschön!
Da der Weg eine Sackgasse ist, müssen wir auch den Berg wieder hinauf.


Weiter geht es durch die schöne Landschaft vorbei am Loch Spelve und am Loch Uisg bis nach Lochbuie. Hier, direkt an einem öffentlichen Parkplatz, steht eine kleine, rote Holzhütte: The Old Post Office - angeblich das kleinste Postamt Schottlands. Es gibt auch eine kleine Kühltheke mit Getränken, Snacks und aus einer Pumpkanne kann man sich gegen kleines Entgelt Kaffee und Tee nehmen. Sehr witzig. Wir kochen uns allerdings unseren Kaffee selbst und picknicken auf einem der Bänke, die am Parkplatz stehen.


Wir fahren zurück und weiter bis Duart Castle. Die Burg ist heute Stammsitz von Sir Lachlan MacLean, dem 28. Oberhaupt des MacLean-Clans und kann besichtigt werden. Man bekommt einen sehr schönen Einblick in das Leben der ehemaligen Bewohner und man erfährt viel Wissenswertes über den Clan und dessen Geschichte. Im Rahmen der Besichtigung kann man auch auf das Dach der Burg. Von dort genießt man einen wunderbaren Ausblick.


Für die Übernachtung haben wir heute nichts Passendes in der App „Park4Night“ gefunden. Wir werden dieses Mal selbst kreativ und befragen „GoogleMaps“. Fündig werden wir in Groten – nicht weit von der Fähranlegestelle. Wir genießen einen netten Blick auf Loch Don und lassen die Zeit auf Mull ausklingen.


Bisher war die Isle of Skye unsere Lieblingsinsel der Äußeren Hebriden. Aber die Isle of Mull ist ebenfalls eine Reise wert – absolut empfehlenswert. Bei unserer nächsten Schottland-Tour werden wir die Insel auf jeden Fall erneut in unsere Route einplanen.

Übernachtung:
bei Groten, kleiner Platz mit Blick auf Loch Don
GPS-Koordinaten: N56° 26.077' W5° 39.917'

Tag 20 – Donnerstag, den 23.08.2018

So langsam neigt sich unser Urlaub dem Ende. Leider …

Wir haben gottlob schon in Armadale die Tickets für die Überfahrt von Craignure nach Oban gekauft. Wir legen etwas verspätet ab und kommen eine gute Stunde später in Oban an.


Oban ist eine kleine Stadt und auf uns macht sie einen ziemlich quirligen Eindruck. Das sind wir nach so viel Landschaft und Ruhe gar nicht mehr gewöhnt. Deshalb halten wir auch nur zum Tanken und fahren zügig in Richtung Glencoe.

Glencoe ist ein kleiner Ort im gleichnamigen Tal Glen Coe. Um den Ort vom Tal zu unter-scheiden, hat man die Schreibweise ein wenig variiert. Glencoe kennt man in der Regel durch das große „Massaker von Glencoe“ (Februar 1692). Damals sollten alle Mitglieder des MacDonald Clans auf Befehl von König William III. getötet werden.

Das Tal Glen Coe ist wunderschön, aber leider auch gut befahren. Es gibt einige Parkbuchten und kleine Parkplätze, von wo aus man die herrliche Landschaft betrachten kann. Mit Sicherheit kann man hier – abseits der Hauptstraße - wunderbar wandern. Übrigens wurden in dem Tal einige Szenen des Harry Potter-Films „Die Gefangenen von Azkaban“ gedreht.

Szene aus "Skyfall"
Szene aus "Skyfall"


Trotz einsetzenden Regens machen wir natürlich einen Abstecher in das Seitental Glen Etive. Für James Bond-Fans ein Muss! Internet sei Dank haben wir genau die Stelle gefunden, an der eine Szene aus „Skyfall“ gedreht wurde (GPS Koordinaten: 56.619466, -4.930720). Auch Walter lässt es sich nicht nehmen, an der Stelle zu posieren – trotz immer heftiger werdendem Regen. Na ja, und das Auto passt nicht so ganz. Das fällt bei uns ein wenig größer aus als im Film.

Mittlerweile sieht man kaum noch etwas. Wir fahren nicht weiter bis zum Loch Etive, sondern drehen um.


Dann bessert sich das Wetter wieder und unser nächster Halt ist am Rannoch Moor – eine noch unberührte, wunderschöne Landschaft im schottischen Hochland und weitgehend unbewohnt. Das Moor ist von Torfsümpfen, Wasserläufen, Tümpeln und Seen geprägt und von bis zu 1000 m hohen Bergen umgeben. Durch das Gebiet für die Eisenbahnstrecke Glasgow – Mallaig und der letzte Abschnitt der Route ist durch den Jacobite Steam Train bzw. die Harry Potter-Filme bekannt geworden.


Wir kommen zum Loch Earn und picknicken erst einmal in aller Ruhe – verwöhnt von Sonne und einem tollen Ausblick auf das Loch. Dann geht die Fahrt weiter über Comrie, Culloch, Braco nach Glendevon – allesamt wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaften!


Für unsere letzte Übernachtung in Schottland finden wir einen sehr ruhigen Parkplatz unterhalb von Castle Campbell bei Dollar.

Übernachtung:
bei Dollar, Parkplatz unterhalb von Castle Campbell
GPS-Koordinaten: N56° 10.302' W3° 40.212'

Tag 21 – Freitag, den 24.08.2018

Der letzte Tag …
Bis zur Fähre sind es noch gut 250 km und es ist Freitag. Da wir nicht wissen, wie die Verkehrsverhältnisse zum Wochenende sind, brechen wir direkt nach dem Frühstück auf. Wir packen schon mal unseren Rucksack fürs Schiff und machen uns ein wenig wehmütig auf die letzte Etappe nach Newcastle.

Wider Erwarten kommen wir sehr gut durch und so langsam schließt sich der Kreis. Wir winken noch einmal den „Kelpies“ zu, die man von der A9 aus sehen kann. Auf dem Edingburgh Bypass gibt es kurzzeitig etwas Stau – Feierabendverkehr. Aber wir haben noch genügend Zeit, so dass wir noch einmal in aller Ruhe auf der A1 die Küste entlang fahren können. Wie zu Beginn unserer Reise fahren wir den Parkplatz bei St. Mary´s Island an. Bei Kaffee, Kuchen und Blick auf St. Mary’s Lighthouse nehmen wir langsam Abschied von Großbritannien.

Wir sind frühzeitig am Fährterminal. Das ist gut so, weil sich die Abfertigung endlos in die Länge zieht. Ursprünglich sollte die Fähre um 17 Uhr ablegen, aber das schaffen wir nicht ganz. Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir Newcastle und nehmen Kurs auf Ijmuiden.

Mit einem letzten Guinness genießen wir die letzten Sonnenstrahlen an Deck, bevor wir uns wieder am leckeren Buffet bedienen.

Tag 22 – Samstag, den 25.08.2018

Die Nacht war nicht ganz so entspannt wie auf der Hinfahrt, es gab paar Turbulenzen und man spürte deutlich den Wellengang. Nach dem allgemeinen Weckruf um 8 Uhr packen wir unsere Sachen zusammen und machen es uns für die übrige Zeit an Deck gemütlich. In der Nacht hat es scheinbar heftig geregnet, aber jetzt scheint schon wieder die Sonne.

Gegen 9:45 Uhr erreichen wir Ijmulden. Nachdem wir die Fähre verlassen haben, suchen wir uns wieder einen schönen Stellplatz am Kanal und frühstücken.
Erst dann geht’s auf die Autobahn in Richtung Heimat, die wir kurz nach 15 Uhr erreichen.

Jetzt heißt es, Scotty auspacken und sich langsam wieder an den Alltag gewöhnen.
Montag hat uns der Job wieder. Leider ...

Zunächst ein dickes Lob an Scotty, er hat einen super „Job“ gemacht – auch ohne Radio (haben wir aber auch nicht vermisst!) und Navigationssystem. Beide Geräte wurden in Verbindung mit einer Alarmanlage erst Ende September eingebaut. Ehrlich: Die Navigation mit Smartphone und GoogleMaps bzw. Park4Nights hat auch hervorragend funktioniert. Einige Male hatten wir keinen Netzempfang, aber für diese Fälle hatten wir die gute alte Straßenkarte dabei (AA Road Map Britain, Bd. 9/Scotland).

Als wir Scotty im letzten Jahr bestellt haben, hatten wir zuerst unsere Zweifel, ob Größe und Raumaufteilung richtig sind. Aber jetzt, nach unserer ersten langen Tour sind wir uns sicher, dass wir alles richtig gemacht haben. Sicherlich muss man sich ein wenig organisieren, aber es funktioniert einwandfrei. Auch die Länge von knapp 6 m ist für uns optimal. Wir waren froh, dass wir keinen längeren Kastenwagen hatten. Es gab doch einige sehr enge Straßen und auch einige, die für größere Wagen gesperrt waren.

Bereits Anfang des Jahres hatten wir den Campingplatz in Edinburgh reserviert. Und das war auch notwendig. Aufgrund der Festivals im August sind die Campingplätze vor Ort ausgebucht. Auch die Fähre hatten wir bereits Ende 2018 reserviert, weil es im August eng werden kann. Aber auch deshalb, weil ein frühes Buchen günstiger ist. Wir haben bei DFDS für unseren Kastenwagen mit 6 m Länge für die Hin- und Rückfahrt 716 Euro bezahlt – ohne Buffet (das kostete 19,95 Euro/Person und Fahrt) – und wir fanden das Okay. Man sollte bedenken, dass der Diesel in Great Britain teurer ist und man spart sich die lange Fahrt von Dover. Wir würden es jeder Zeit wieder so machen.

Wir haben überwiegend die Stellplatz-App „Park4night“ genutzt und sind damit super gut klar gekommen. Das Handling ist einfach und übersichtlich. Die Campsites, auf denen wir standen, haben wir uns aus dem Heft „Sea View Camping“ herausgesucht, welches wir sehr gut finden. Das Heft kann man über AMAZON zum Preis von 12 Euro beziehen.

Wir hatten auch eine Mitgliedschaft bei BritStop. Für uns hat sich diese „Investition“ aber leider nicht gelohnt. Wir haben BritStop nur einmal in Lossiemouth genutzt. Aber der Norden Schottlands ist auch noch kaum über BritStop vertreten. Für Reisen in den Süden Großbritanniens macht die Mitgliedschaft wesentlich mehr Sinn.

Für 48 GBP hatten wir eine Jahres-Mitgliedschaft im Camping and Caravan Club abgeschlossen. Wir standen allerdings nur 2x auf einer dem Club angeschlossenen Campsites – Rosemarkie und Loch Greshornish. In Poolewe war der Campingplatz überfüllt und man ließ selbst Mitglieder nicht mehr auf den Platz. Für uns hat sich die Mitgliedschaft nicht wirklich gelohnt, insbesondere auch, weil wir oft frei gestanden haben. Bei unserer nächsten Tour nach Schottland werden wir keine Mitgliedschaft abschließen.

Übrigens: Seit zwei Wochen ist Scotty stolzer Besitzer eines eingebauten Gastanks mit Außenbefüllung sowie einem verstärkten Fahrwerk mit Luftfederung. Hätten wir das schon in Schottland gehabt ...
Da hätten wir über so manch eine Straße nur gelacht! Für die nächste Tour ist Scotty jedenfalls gerüstet.